Sechs Monate

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Seit sechs Monaten befindet sich die Republik im andauernden Ausnahmezustand. Öffentliche Veranstaltungen sind untersagt, Familienmitglieder dürfen einander nicht besuchen, über Ostern standen die Kirchen leer, Gastronomien und kleine Unternehmen bangen um ihre Existenz und erstmals seit Jahrzehnten sah man in Supermärkten leere Regale.

Man spricht von einer weltweiten Krise, die Regierung mahnt die Wähler zum „Durchhalten“, gemeinsam könne man die Krise überstehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Durchhalteappell, 13.05.2020

Durchzuhalten habe dieses reanimierte »Wir« eine unbestimmte Zeit staatlicher Maßnahmenanordnungen quasi per Notstand, zu ertragen haben kleine Unternehmer die daraus folgenden massiven Umsatzeinbußungen und existenzielle Nöte, während die großen Konzerne längst ihre Felle ins Trockene geholt haben.

Die Ohnmacht vor der scheinbaren Unkontrollierbarkeit der Virusausbreitung und die Wahrnehmung dieser Krise als unabwendbares Schicksal, was keine bedingenden oder verstärkenden Faktoren kennt, stärkt das blinde Vertrauen in die Exekutive dieser Republik, die „schon das Richtige veranlassen wird“. Dieses Vertrauen wird schamlos zur Selbstinszenierung ausgenutzt.

Globalisierung

Die Globalisierung der Wirtschaft, offene Grenzen und ungehinderter Personen- und Warenverkehr haben dazu geführt, dass Corona kein Fall von lediglich regionaler Bedeutung geblieben ist.
Die völlige Entortung und globale Verzahnung der Wirtschaft bedeutet, dass der kleinste Eingriff zu ernsthaften Wirtschaftskrisen führen kann, die besonders kleine Unternehmen hart treffen.

Globalisierung mag nun für Manche mindestens genauso unangreifbar und unvermeidbar wie eine Virusausbreitung erscheinen.
Doch so wie gegen Viruserreger Impfstoffe entwickelt werden, so ist auch die Globalisierung (bzw. ihre konkreten Symptome) nicht gänzlich alternativlos.

Corona ist gewissermaßen ein Stresstest für das liberal-kapitalistische System und so sehr es sich auch grundsätzlich sträubt, es kommt nicht umhin, den Wert von Grenzen indirekt zuzugestehen: Schutz, Hegung, Maß, Fokussierung auf das Eigene.
Eine alternative Politik muss diese Werte voranstellen und den politischen Weggebnern der Globalisierung -denselben die jetzt Grenzen schließen und vom »Wir« sprechen- das Ruder aus der Hand nehmen.m

Wird nicht versucht werden, die Globalisierung zumindest in Teilen zu beschränken und einzuhegen, wird die nächste Krise von der Art Corona wiederum zur globalen Gefahr werden.